«Alleinlebende Babyboomer-Frauen im Wohndilemma…
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…Wohnsituationen, Pläne, Wahlen und Bedürfnisse»
Diese vom Bundesamt für Wohnungswesen (BWO) und der Stiftung Leenaards in Auftrag gegebene Studie untersucht die Wohnsituation von alleinlebenden Frauen der Babyboomer-Generation in der Schweiz im Alter von 55 bis 75 Jahren, die fast 26,5 % der Frauen dieser Altersgruppe ausmachen. Die Studie zielt darauf ab, ihre Wohnsituation, ihre Schwierigkeiten und Erwartungen angesichts des Älterwerdens zu verstehen und Handlungsansätze für geeignete öffentliche Massnahmen vorzuschlagen. Die Arbeitsgruppe Wohnen und Mobilität der VASOS hat diesen Bericht geprüft und unterstützt seine Feststellungen und Empfehlungen vollumfänglich. Sie ruft zu einer Umsetzung durch die betroffenen Akteure auf.
Hauptschwierigkeiten und wichtigste Erkenntnisse
FBBS sind oft mit mehreren Schwierigkeiten konfrontiert:
• Finanziell: Geringeres Einkommen als Männer und weniger Möglichkeiten, Geld zur Seite zu legen, weshalb Mieten oder Nebenkosten oft stark belasten. Die Hälfte gibt mehr als ein Viertel ihres Einkommens für Wohnraum aus.
• Wohnsituation: Sie bewohnen oft alte, grosse Wohnungen, die manchmal nicht altersgerecht sind, aus denen sie aber wegen günstiger Mieten oder fehlender erschwinglicher Alternativen schwer ausziehen können.
• Sozialleben und Gesundheit: Isolation und Einsamkeit erhöhen das Risiko für Krankheiten und verringern die Möglichkeit eines Umzugs. Viele sind auch pflegende Angehörige, was ihre Erschöpfung und finanzielle Unsicherheit noch verstärkt.
Diese Frauen stehen oft vor einem grossen Dilemma: in einer nicht altersgerechten Wohnung zu bleiben oder in eine passendere Wohnung umzuziehen, die jedoch teurer ist oder weiter von ihren sozialen Kontakten entfernt liegt.
Umfrage und Ergebnisse
Die Studie kombiniert statistische Analysen, Umfragen (388 Antworten), Interviews mit 10 Gemeinden und Fokusgruppen. Die FBBS äußern den starken Wunsch, zu Hause alt zu werden, befürchten jedoch den Verlust von Selbstständigkeit, Isolation und steigende Kosten. Die befragten Gemeinden erkennen diese Herausforderungen an, doch ihre Politik konzentriert sich vor allem auf pflegebedürftige ältere Menschen, wodurch junge Rentnerinnen ein «blinder Fleck» bleiben.
Empfehlungen
Es werden drei Handlungsansätze vorgeschlagen:
1. Gemeindebehörden: FBBS spezifisch in die Wohnungspolitik der Gemeinden einzubeziehen, den kommunalen Wohnungsbestand zu erhalten und auszubauen, mehr öffentlich-private Partnerschaften einzugehen, die finanzielle Unterstützung für gemeinnützige Bauträger und Genossenschaften aufrechtzuerhalten, kommunale Beratungsstellen für Wohnungsfragen und ein System für den Wohnungstausch einzurichten, die Bedürfnisse älterer Menschen und insbesondere von FBBS genau zu ermitteln und zu analysieren.
2. Immobiliensektor: Aufbau öffentlich-privater Partnerschaften mit dem Ziel, Mehrgenerationenhäuser und andere innovative Wohnformen zu fördern sowie geeignete und erschwingliche Wohnungen, Gemeinschaftsräume, integrierte Dienstleistungen, Aussen- und Innenausstattungen, die soziale Kontakte fördern, anzubieten. Darüber hinaus sollte der Zugang zu Informationen über das Wohnungsangebot und die Transparenz in der Immobilienverwaltung verbessert, bei der Vergabe von Genossenschaftswohnungen verstärkt auf FBBS geachtet und die Praxis der Kostenmiete ausgeweitet werden.
3. FBBS: Sie sollten einen Umzug als Chance betrachten, rechtzeitig planen und umziehen, offen sein für neue Formen des Wohnens und Zusammenlebens, sich ehrenamtlich engagieren und gute Nachbarschaftsbeziehungen pflegen.
Fazit
Die FBBS stellen eine neue demografische Realität dar: eine zahlenmässig starke Generation, die oft unabhängig ist, aber auch mit wirtschaftlichen und sozialen Zwängen konfrontiert ist. Um einer «erzwungenen Mobilität» im fortgeschrittenen Alter vorzubeugen, fordert die Studie eine integrativere, sektorenübergreifende und vorausschauende Wohnungspolitik, die die Vielfalt der Lebenswege von Frauen berücksichtigt und geeignete, solidarische und finanziell realisierbare Wohnmodelle fordert.
Das Projekt beleuchtet die besonderen Schwierigkeiten, mit denen alleinstehende Frauen kurz vor dem Ruhestand (FBBS) insbesondere im Bereich des Wohnens konfrontiert sind. Diese Frauen hängen oft an ihrer Wohnsituation, die oft nicht altersgerecht ist, und sind mit finanziellen Einschränkungen und Isolation konfrontiert. Ihre Tendenz, eine zu grosse, aber erschwingliche Wohnung zu behalten, schränkt zudem das Angebot für andere Wohnungssuchende ein. Die Gemeinden erkennen die Bedeutung der Entwicklung geeigneter, erschwinglicher und inklusiver Wohnungen an, die öffentlich-private Partnerschaften erfordern.
Die Studie empfiehlt, die Untersuchung auf eine größere und repräsentativere Stichprobe dieser Schweizer Teilbevölkerung auszuweiten. Darüber hinaus könnte eine umfassende Bestandsaufnahme der erfolgreichen Regelungen, Maßnahmen und Initiativen in der Schweiz als Inspiration und Referenz dienen, um Gesetzeslücken zu schließen. Schliesslich wird vorgeschlagen, unter der Leitung der Partnergemeinden eine Bürgerkonvention zum Thema Wohnen von Frauen im Vorruhestand zu organisieren, um konkrete, nachhaltige und auf ihre Wohnbedürfnisse zugeschnittene Lösungen zu entwickeln.
Eliane Rey, UREV Delegierte bei VASOS – VASOS Delegierte beim SSR