Augenerkrankung im Alter: Diabetische Retinopathie
Thema: Gesundheit, News
Das Lesen wird anstrengender, Konturen erscheinen unscharf oder beim Autofahren lassen sich Schilder plötzlich schlechter erkennen? Bei Menschen mit Diabetes kann dahinter eine diabetische Retinopathie stecken – eine Erkrankung der Netzhaut, die lange unbemerkt bleiben kann.
Die diabetische Retinopathie kann als Folge von Diabetes mellitus entstehen. Ein über längere Zeit erhöhter Blutzuckerspiegel kann die feinen Blutgefässe im Auge schädigen und Veränderungen an der Netzhaut verursachen.
Besonders tückisch ist, dass Betroffene die Erkrankung im Anfangsstadium häufig nicht bemerken. Die Sehschärfe kann noch gut sein, obwohl bereits Veränderungen vorhanden sind. Schreitet die Erkrankung fort, kann die Netzhaut schlechter mit Sauerstoff versorgt werden. Zudem können Blutungen oder Flüssigkeitsansammlungen entstehen. Sammelt sich Flüssigkeit im zentralen Bereich der Netzhaut, der Makula, spricht man von einem Makulaödem.
Die Auswirkungen auf das Sehen sind unterschiedlich. Die Sehschärfe kann abnehmen, das Lesen schwieriger werden oder das Sehen verschwommen und verzerrt erscheinen. Auch Blendempfindlichkeit ist möglich. Im fortgeschrittenen Stadium kann beispielsweise das Autofahren nicht mehr möglich sein.
Regelmässige augenärztliche Kontrollen sind deshalb für Menschen mit Diabetes besonders wichtig. Veränderungen an der Netzhaut können erkannt werden, bevor Betroffene selbst eine Verschlechterung bemerken. So kann frühzeitig reagiert werden.
Eine möglichst gute Einstellung des Blutzuckers spielt eine zentrale Rolle. Ebenso wichtig ist es, Bluthochdruck oder erhöhte Blutfettwerte gut einzustellen. Sind bereits behandlungsbedürftige Veränderungen entstanden, kommen je nach Befund Laserbehandlungen oder Injektionen mit Medikamenten ins Auge zum Einsatz.
Die Diagnose kann viele Fragen auslösen: Kann ich weiterhin lesen, Auto fahren oder meinen gewohnten Aktivitäten nachgehen? Wie stark der Alltag beeinträchtigt wird, hängt vom Ausmass der Sehbeeinträchtigung ab.
Bei Einschränkungen des Sehens kann eine individuelle Beratung helfen, den Alltag weiterhin möglichst selbständig zu gestalten. Die Beratungsstellen SICHTBAR des Schweizerischen Blindenbundes unterstützen Betroffene dabei, passende Lösungen für ihre persönliche Situation zu finden. Gemeinsam wird geschaut, wo im Alltag Schwierigkeiten entstehen und welche Hilfsmittel oder Anpassungen das Sehen und die Orientierung erleichtern können. Dazu gehören beispielsweise vergrössernde Sehhilfen, eine optimale Beleuchtung oder praktische Lösungen für das Lesen und andere alltägliche Tätigkeiten. Ziel ist es, vorhandene Fähigkeiten bestmöglich zu nutzen und die Selbständigkeit möglichst lange zu erhalten.
Die Beratung ist kostenlos und wird in verschiedenen Regionen der Deutschschweiz angeboten. Ein Standort-Überblick gibt es auf der Homepage www.blind.ch.
Dank frühzeitiger Erkennung, medizinischer Behandlung und gezielter Unterstützung können viele Betroffene trotz einer diabetischen Retinopathie ihren Alltag weiterhin selbständig gestalten und ihre Lebensqualität erhalten.
Cindy Pacheco, Low Vision Fachperson, Schweizerischer Blindenbund SICHTBAR Beratungsstellen
