Augenkrankheit
Thema: Gesundheit, News
Feuchte altersbedingte Makuladegeneration (AMD)
Im letzten Bericht wurde die trockene Form der altersbedingten Makuladegeneration vorgestellt. Diese führt schrittweise zu einer Abnahme der zentralen Sehschärfe. Im weiteren Verlauf kann sich daraus jedoch eine feuchte AMD entwickeln, eine deutlich progressivere Form der Erkrankung.
Gesunde Augen bedeuten Lebensqualität. Sie geben Sicherheit im Alltag und ermöglichen die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben. Deshalb ist die Früherkennung bei Seheinschränkungen besonders wichtig. Ab etwa dem 70. Lebensjahr treten Erkrankungen der Netzhaut häufiger auf. Eine der häufigsten Ursachen für Sehprobleme im Alter ist die altersbedingte Makuladegeneration (AMD). Betroffene haben Mühe beim Lesen, erkennen Gesichter schlechter und sehen kaum noch Details, weil die Makula, der Bereich des schärfsten Sehens, geschädigt ist. Wichtig ist: Keinesfalls abwarten! Diese Erkrankung entwickelt sich oft schleichend. Man unterscheidet zwischen der trockenen und der feuchten Form der AMD. Während die trockene Form meist langsam fortschreitet, muss die feuchte AMD rasch behandelt werden.
Bei der feuchten AMD bilden sich krankhafte Blutgefässe unter der Netzhaut. Diese sind instabil und können Flüssigkeit oder Blut abgeben. Dadurch schwillt die Netzhaut in Bereich der Makula an und die Sinneszellen werden geschädigt. Die Folgen zeigen sich oft plötzlich: Gerade Linien erscheinen verzerrt, Buchstaben verschwimmen oder fehlen, Gesichter werden schlechter erkannt und dunkle Flecken können im zentralen Sichtfeld auftreten. Auch die Farbwahrnehmung und das Kontrastsehen sind häufig beeinträchtigt. Das periphere Sehen bleibt dagegen meist erhalten und ermöglicht weiterhin eine Orientierung.
Im Gegensatz zur trockenen AMD schreitet die feuchte Form oft rasch voran. Ohne Behandlung kann sich das Sehvermögen innerhalb weniger Wochen deutlich verschlechtern. Deshalb sind regelmässige augenärztliche Kontrollen entscheidend, damit Veränderungen früh erkannt und behandelt werden können.
Heute stehen verschiedene wirksame Therapien zur Verfügung. In den meisten Fällen werden sogenannte Anti-VEGF-Medikamente direkt ins Auge gespritzt. Diese hemmen das Wachstum der krankhaften Blutgefässe und verhindern, dass weitere Flüssigkeit austritt. Ziel der Behandlung ist es, die Erkrankung zu stabilisieren und das vorhandene Sehvermögen möglichst lange zu erhalten. Viele Betroffene benötigen dafür regelmässige Injektionen über längere Zeit.
Auch wenn die feuchte AMD nicht heilbar ist, gibt es zahlreiche Möglichkeiten, den Alltag weiterhin selbständig zu gestalten. Vergrössernde Hilfsmittel, gute Beleuchtung oder elektronische Sehhilfen können das Lesen und Orientieren erleichtern. Unterstützung bieten zudem Fachpersonen aus den Bereichen Low Vision, Orientierung und Mobilität sowie Lebenspraktische Fähigkeiten. Sie helfen Betroffenen dabei, ihre Selbständigkeit zu bewahren und weiterhin aktiv am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Bei den SICHTBAR Beratungsstellen des Schweizerischen Blindenbundes können Sie sich kostenlos in all diesen Bereichen beraten und unterstützen lassen.
Stephanie Escher, Low Vision Fachberaterin bei SICHTBAR-Beratungsstellen des Schweizerischen Blindenbundes