Der Fall Ticino: Eine Konferenz zum Thema Ageismus
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Im Rahmen des 20. Jubiläums des Consiglio degli anziani del Canton Ticino fand am 27. September 2025 in Muralto eine öffentliche Konferenz zum Thema Ageismus statt.
Diskriminierung aufgrund des Alters kann sich in vielen Bereichen manifestieren – in der Arbeitswelt, im Gesundheitswesen oder in den Medien.
Maria Luisa Delcò, Präsidentin des Consiglio degli anziani, erklärte:
«Die Idee entstand bei einer Fortbildung in Bern, als eine Soziologin den Begriff ‘Ageismus’ verwendete. Gleichzeitig organisierte das SUPSI-Kompetenzzentrum für ältere Menschen eine Veranstaltung dazu. Das Thema erschien uns wichtig, aber in der Öffentlichkeit noch zu wenig beleuchtet. Es lohnt sich, genauer hinzusehen – denn Altersdiskriminierung betrifft uns alle und verdient mehr Aufmerksamkeit».
Was bedeutet der Begriff „Ageismus“(Altersdiskriminierung)?
«Wir wissen, dass sich die Altersstruktur stark verändert: Das Alter ist eine Lebensphase im Wandel. Trotzdem wird häufig behauptet, ältere Menschen würden nicht mehr zur Gesellschaft beitragen, seien eine Belastung für die Familie oder das Gesundheitswesen. Es handelt sich um stereotype, häufig negative Zuschreibungen – aber auch positive können eine Form des Ageismus sein. Letztlich geht es um eine Diskriminierung aufgrund des chronologischen Alters oder der Wahrnehmung, alt zu sein.»
Die wichtigsten Erkenntnisse der Konferenz
«Das Publikum war zwar nicht zahlreich, aber sehr aktiv in der Diskussion mit Professor C. Maggiori, der das Thema anhand internationaler Daten und konkreter Beispiele erläuterte.»
Christian Maggiori zeigte auf, dass sich Ageismus in verschiedenen Formen zeigt: bewusst oder unbewusst; explizit oder implizit; gegen andere oder gegen sich selbst gerichtet; oder auch als scheinbar „positive“ Haltung, die aber nur eine stereotypisierte Sicht auf das Alter widerspiegelt. In Europa geben laut Studien 34% der Menschen ab 65 an, schon Ageismus erlebt zu haben – mehr als Sexismus (19%) oder Rassismus (14%).
Ageismus betrifft nicht nur ältere Menschen
«Das Phänomen betrifft alle Lebensphasen: Jugendliche werden wegen ihres Verhaltens stigmatisiert, Menschen über 50 gelten als nicht mehr arbeitsmarktfähig, über 75-Jährige gelten – wie Fahranfänger – als Risikogruppe im Strassenverkehr. Und ältere Menschen gelten als nicht geeignet für öffentliche Ämter. Dabei waren in der Antike die Alten jene, denen man Weisheit zusprach.»
Welche Folgen hat Ageismus?
«Die ersten Folgen betreffen die Person selbst: die körperliche und psychische Gesundheit, das Selbstwertgefühl, die wahrgenommene Gesundheit und sogar die Lebenserwartung. Aber auch das gesellschaftliche Umfeld leidet – etwa durch mediale Überbetonung von Jugendlichkeit oder durch Ausschluss älterer Menschen von Rollen und Ämtern.»
Ein besonders problematischer Faktor sei die Reduktion der Menschen ab 65 auf eine einzige Gruppe, obwohl es sich um einen Zeitraum von 30 Jahren handelt – also im Grunde um verschiedene Generationen mit sehr unterschiedlichen Lebensrealitäten.»
Wie lässt sich Ageismus bekämpfen?
«Maggiori weist auf die Bedeutung grosser und kleiner Schritte hin: Sensibilisierung und Information (für die Allgemeinheit und Fachpersonen), Bildung, bürgerschaftliche Teilhabe, Gesetzgebung und wissenschaftliche Forschung.»
Im Alltag müsse man deshalb reflektieren, wie wir über ältere Menschen sprechen: Aussagen wie „Für sein Alter ist er noch fit“ oder „Besuchen Sie den Arzt lieber mit einem Angehörigen“ oder „Unglaublich, dass sie in diesem Alter keine Beschwerden haben“ seien Beispiele für unbewussten Ageismus.
Stattdessen brauche es einen individualisierten Ansatz, der den Menschen als Ganzes wahrnimmt und ihn nicht auf eine einzige Eigenschaft – sein Alter – reduziert.
aus «terzaetà», offizielle Zeitschrift von ATTE, Januar 2025
Daniel Burckhardt, VASOS Vorstand und Vizepräsident der ATTE
Die VASOS hat darum die Petition «Rechtlicher Schutz vor Altersdiskriminierung» lanciert:
Wir fordern:
1. Einen nationalen Aktionsplan gegen Altersdiskriminierung
2. Spezifische gesetzliche Grundlagen zum Schutz älterer Menschen
3. Eine zentrale Fachstelle Altersdiskriminierung auf Bundesebene
Die Petition richtet sich an den Bundesrat und das Parlament.
Über den folgenden Link kann der vollständige Text eingesehen und die Petition direkt unterzeichnet werden: Petition
Oder direkt zur Online-Unterzeichnung: WeCollect
Auch mit unserem QR-Code lässt sich diePetition direkt digital unterzeichnen…

Vielen Dank für Ihre Unterschrift: IHRE VASOS FARES.