Die unheilvollen Folgen des Ageismus…
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...Die Auseinandersetzung mit dem «inneren Feind»!
Offensichtliche Formen des Ageismus
Ageismus bezeichnet das Phänomen der Altersdiskriminierung in Form von Gesetzen, Regelungen, institutionellen Praktiken und Strukturen, d. h. strukturelle Benachteiligungen und Schlechterstellung älterer Menschen aufgrund ihres Lebensalters.
Aber auch in alltäglichen Interaktionen wird Ageismus sichtbar – und vielfach ausgesprochen kränkend – für ältere Menschen: beispielsweise von medizinischem Personal bevormundet zu werden, infantilisiert oder Opfer von Gewalt zu werden.
Neben diesen offensichtlichen Formen des Ageismus existieren auch subtilere Formen in Gestalt von stereotypen Vorstellungen über ältere Menschen: sie seien nicht mehr anpassungsfähig, in ihren Meinungen starr und nicht in der Lage, neue Beziehungen einzugehen. Hinzu kommt die in der Gesellschaft weit verbreitete rein defizitäre Vorstellung vom höheren Alter: Abnehmen der Kräfte, Einbussen in den Sinnesfunktionen und in den kognitiven Fähigkeiten. Tatsächlich bestehen jedoch grosse individuelle Unterschiede, und die Forschung zeigt, dass nicht das kalendarische, sondern das funktionale Alter Aussagen über die mentalen und sozialen Fähigkeiten zulässt.
Während Jahrzehnten wurden ältere Menschen in der Werbung nicht berücksichtigt und wurden in Filmen, wenn sie überhaupt auftauchten, als bemitleidenswerte Personen mit körperlichen, psychischen und sozialen Problemen dargestellt. Dies hat sich zwar verändert, wobei das Thema Sexualität im Alter aber nach wie vor negativ konnotiert ist.
Ageismus als «innerer Feind»
Neben diesen offensichtlichen Formen des Ageismus gibt es einen «inneren Feind», dessen Ursprung zwar in der uns umgebenden Gesellschaft liegt, der aber seine Wirkung letztlich von innen her ausübt. Dies ist der Tatsache geschuldet, dass ältere Menschen die negativen Bilder, die ihnen von der Umgebung vermittelt werden, übernehmen und verinnerlichen und dann selbst davon überzeugt sind, dass dies die Realität ist.
Dieser verinnerlichte Ageismus ist deshalb so verhängnisvoll, weil ältere Menschen nun selbst überzeugt davon sind, bestimmte Dinge nicht mehr tun zu können oder sich nicht in einer bestimmten Art verhalten zu dürfen. Die aus dem eigenen Innern wirkenden negativen Bilder bleiben unhinterfragt, prägen massgeblich ihre Selbstwahrnehmung und ihr Verhalten und richten dadurch einen immensen Schaden an.
Was ist zu tun?
Wollen wir uns vom verinnerlichten Ageismus befreien, so sind dazu zwei Schritte notwendig: Zuerst müssen wir uns darüber klar werden, dass wir alle negativen Bilder vom Alter verinnerlicht haben, und uns im zweiten Schritt so unabhängig wie möglich von den Meinungen unserer Umgebung in Bezug auf das Alter machen und selbst entscheiden, was wir tun können und wie wir unser Alter gestalten wollen.
Foto: Lucia Hunziker
Prof. Dr. Udo Rauchfleisch, Dornacherstr. 234, CH-4053 Basel
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