Ein Umfeld gegen Gewalt im Alter
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Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko, auf schwierige Situationen nicht angemessen reagieren zu können. Je fragiler eine Person ist, desto höher ist das Risiko, Opfer von Gewalt und Vernachlässigung zu werden.
Gefährdet sind insbesondere Menschen, die stark pflegebedürftig sind, eine Demenz oder psychische Erkrankungen haben.
Gewalt und Vernachlässigung im Alter sind in der Schweiz eine oft unterschätzte Realität. Gemäss Schätzungen sind jährlich rund 300`000 – 500`000 ältere Menschen von Gewalt oder Vernachlässigung betroffen. Dazu zählen körperliche, psychische oder sexuelle Gewalt, finanzieller Missbrauch sowie das Unterlassen notwendiger Unterstützung. Gewalt im Alter geschieht oft in Beziehungen, die von Vertrauen geprägt sind, weshalb sie auf Grund der Nähe und bestehender Abhängigkeiten häufig verborgen bleibt.
Wissen rund um Gewalt und Unterstützungsmöglichkeiten hilft
Da Gewalt im Alter oft im Verborgenen bleibt, ist es wichtig, dass Angehörige, Bekannte, Nachbarn sowie Freiwillige und Fachpersonen, die im Alter tätig sind, sensibilisiert sind. Wer Risikofaktoren kennt, Gefährdungen erkennt und weiss, wo Unterstützung zu finden ist, kann zur Verhinderung von Gewalt und Vernachlässigung beitragen. Menschen, die stark pflegebedürftig oder an einer Demenz erkrankt sind, sind besonders stark gefährdet. Gerade diese Personen können sich oft kaum selbst Hilfe holen und sind auf Unterstützung von aussen angewiesen. Zusätzlich erschweren Scham, Angst vor der Verschlechterung der Situation oder Isolation durch Täter oder Täterinnen das Suchen nach Hilfe.
Situationen einschätzen und handeln
Gewalt oder Vernachlässigung älterer Menschen findet im häuslichen Bereich als auch im institutionellen Umfeld statt. Sie erfolgt durch Familienmitglieder (Partner, Partnerinnen, Kinder) wie auch durch Laien oder Fachpersonen der Betreuung und Pflege.
Auf Seiten der Pflegenden sind Stress und Überlastung, Suchterkrankungen und psychische Erkrankungen relevante Risikofaktoren. Komplexe Pflege- und Betreuungssituationen, fehlende Entlastung, eigene gesundheitliche Probleme sowie fehlendes Fachwissen können zu Überlastung führen und unbeabsichtigt Gewalt oder Vernachlässigung verursachen.
Neben Risikofaktoren gibt es auch Schutzfaktoren. Diese zu fördern ist ebenso entscheidend, wie Risikofaktoren zu mindern. Einer der grössten Schutzfaktoren ist das Eingebunden sein älterer Menschen in eine Gemeinschaft mit verschiedenen sozialen Kontakten.
In unguten Situationen gilt: Hinsehen statt Wegschauen. Missstände frühzeitig erkennen und Hilfe suchen. Es gibt verschiedene Stellen, die in unklaren Situationen beraten und unterstützen. Wenn Sie als Angehörige, als Person im Umfeld oder als Fachperson ein ungutes Bauchgefühl haben, scheuen Sie sich nicht, sich an die Polizei oder eine Fachstelle zu wenden und sich beraten zu lassen.
Agnes Leukens, Gerontologin, Fachstelle Seniorenschutz, Kantonspolizei Zürich
Weitere Informationen finden Sie unter: Kanton Zürich Sicherheit im Alter