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Gewalt im Alter verhindern – Aufruf der VASOS an ihre Mitgliederorganisationen

Ausgabe: 01-2021 Datum: 18.01.2021

Thema: Generationendialog, Gesundheit, Sozialpolitik

Ein Bericht des Bundesrates zeigt auf: Gewalt gegenüber älteren Menschen kommt viel häufiger vor als vermutet wird. Schätzungen zufolge sind jedes Jahr zwischen 300‘000 bis 500‘000 Personen ab 60 Jahren von körperlicher und psychischer Gewalt oder Vernachlässigung betroffen. Misshandlungen älterer Menschen können sowohl zu Hause als auch im Heim auftreten.

Der Bundesrat hat in Beantwortung des Postulates von Nationalrätin Glanzmann-Hunkeler im September einen Bericht unter dem Titel «Gewalt im Alter verhindern» veröffentlicht. Darin anerkennt er den dringenden Handlungsbedarf. Das EDI will nun bis Herbst 2021 mit den Kantonen prüfen, ob ein zeitlich befristetes Impulsprogramm notwendig ist.

Denn den Kantonen obliegt die Aufsicht über die Pflegeheime und sie sind gemäss Art. 112c der Bundesverfassung für die Hilfe und Pflege von älteren Menschen zu Hause verantwortlich.

Heute herrscht vielerorts Unwissenheit und Schweigen über Gewaltvorkommnisse in Heimen und im familiären Bereich. Überforderung und Überbelastungen von Angehörigen oder des Pflege- und Betreuungspersonals können zu physischen und psychischen Misshandlungen führen. Der Bericht des Bundesrates zeigt, dass das Thema nicht länger totgeschwiegen werden darf.

Wir rufen deshalb unsere Mitgliederorganisationen auf, sich zu erkundigen, wie ihr Kanton mit dieser Gewaltproblematik umgeht. Dazu sind folgende Wege möglich:

  • Veranlassen eines Vorstosses von bekannten oder befreundeten Parlamentariern im Kantonsparlament mit konkreten Fragen oder Forderungen:
  • Wie nimmt der Kanton seine Aufsicht betreffend Schutz der Bewohnerinnen und Bewohner in Institutionen wahr?
  • Hat er Kenntnis von Misshandlungen physischer oder psychischer Art in Heimen?
  • Vergewissert er sich regelmässig, dass solches in „seinen“ Heimen nicht vorkommt und wie tut er dies?
  • Aufforderung an die Regierung ein Impulsprogramm gegen Gewalt im Alter zu bejahen und zu unterstützen.
  • Anfragen bei den zuständigen Instanzen auf Gemeindeebene:
  • Ist die national zuständige, niederschwellige Anlaufstelle „Alter ohne Gewalt“ für von Misshandlung betroffene ältere Menschen allen bekannt (alter ego Westschweiz, UBA Deutschschweiz, Pro Senectute Ticino e Moesano) und liegen Informationsbroschüren auf, wohin sich Betroffene wenden können?
  • Gibt es eine Statistik von Pflegeverhältnissen in Privatfamilien und über deren Qualität?
  • Wenn ältere Menschen von «ausländischen Pflegepersonen» betreut werden, stehen diese in einem geregelten Arbeitsverhältnis und werden sie regelmässig überprüft?
  • Werden Informationsveranstaltungen zum Thema „Alter ohne Gewalt“ in Form von Referaten oder Weiterbildungen für Fachleute und Betroffene angeboten?

Gewalt im Alter ist ein heikles Thema. Es geht nicht darum Leute in Verruf zu bringen, sondern um den Schutz der älteren Menschen wie auch des Pflegepersonals und der betreuenden Angehörigen.

Es höchste Zeit, hinzuschauen, sich einzumischen. Denn Scham und Abhängigkeit halten ältere Menschen davon ab, sich selbst zu melden.

Halten wir deshalb Augen, Ohren und Herzen offen, schauen wir hin! Hier aktiv werden ist eine Notwendigkeit, damit auch im Alter die Menschenrechte und die Würde gewahrt bleiben.

Danke für Ihre Mitarbeit im Dienste der älteren Menschen und Ihre Rückmeldung bis 1. Mai 2021

Mit freundlichen Grüssen

Bea Heim                                                                                   Michel Pillonel
Präsidentin VASOS FARES                                                    Vizepräsident VASOS FARES a.i.

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