«Ich brauche keine Geschenke…
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…ich möchte nur zusammen mit euch feiern»

An Weihnachten wird Einsamkeit sichtbar. Das Fest der Liebe erinnert uns daran, wie wichtig Gemeinschaft ist – nicht nur an einem Tag pro Jahr.
«Der Weg aus dem Schneckenhaus läuft nicht geradeaus.» So heisst ein Büchlein von Franziska Muri, in dem die Autorin kleine Schritte vorschlägt, um wieder unter Menschen zu finden. Die Schritte müssen klein sein, weil anhaltende Einsamkeit das Verhalten und die Einstellungen zum Zusammenleben verändert: Vertrauen geht verloren, soziale Fähigkeiten werden nicht mehr geübt. Dies erschwert es den betroffenen Menschen, wieder Kontakte aufzubauen. Der Weg zurück braucht Zeit, Reflektion und viel persönlichen Einsatz.
Im Alltag gehen einsame Menschen oft vergessen. An Weihnachten, wenn wir das Fest der Liebe feiern, denken wir eher an sie. Und in dieser Jahreszeit leiden viele ältere Menschen besonders schwer unter ihrer Einsamkeit. «Ich brauche keine Geschenke, ich möchte nur zusammen mit euch feiern» – wer hat diesen Spruch nicht schon einmal von älteren Verwandten gehört? Das Bedürfnis nach vertieften Beziehungen, nach Liebe und Zuneigung ist allen Menschen gemein.
«Weihnachten reicht nicht!», möchte man rufen. Chronische Einsamkeit lässt sich nicht an einem Tag pro Jahr beheben. Sie erfordert ein langfristiges, anhaltendes Engagement – nicht nur von den einsamen Menschen selbst, sondern auch von der Gemeinschaft und der Gesellschaft.
Als Gemeinschaft müssen wir kleine, beharrliche, alltägliche Schritte tun, um Einsamkeit vorzubeugen und zu lindern. Ein Gruss, ein kurzer Schwatz in der Nachbarschaft kann ein erster Schritt sein. Längerfristig braucht es Gemeinschaftssinn, vertiefte Beziehungen, gemeinsame Interessen, geteilte Hobbys. Vielleicht einen Freiwilligen-Einsatz zugunsten älterer Menschen? Die Mitarbeit in einem Verein?
Einsamkeit ist nicht nur Sache der persönlichen Verantwortung. Kleine und grössere Schritte müssen auch die Gemeinden, Städte und Kantone unternehmen: Laut Bundesamt für Sozialversicherungen gehört es zu ihren Aufgaben, für die «notwendigen Einrichtungen für ältere Menschen» zu sorgen. Gehören dazu nur Pflegeheime – oder auch Einrichtungen und Angebote zur Prävention und Reduktion von Einsamkeit?
Denken wir über Weihnachten hinaus. Mehr zur Einsamkeit und «connect!» folgt im kommenden Jahr. Frohe Adventstage!
Thomas Pfluger, Co-Programmleiter von «connect! – gemeinsam weniger einsam»
Der Verein «connect!» setzt sich zusammen mit seinem Netzwerk dafür ein, Einsamkeit in der Schweiz vorzubeugen und zu vermindern. Zurzeit liegt der Schwerpunkt von «connect!» auf Einsamkeit im Alter.
Weitere Informationen: www.ch-connect.ch