Mobile Altersarbeit…
Thema: Wohnen im Alter & Mobilität
...Ein neuer Ansatz für eine zukunftsfähige Alterspolitik?
Gemeinden stehen heute vor der Aufgabe, gute Rahmenbedingungen für ein selbstbestimmtes Älterwerden zu schaffen. Viele ältere Menschen möchten möglichst lange im vertrauten Zuhause leben, wobei der Übertritt in Alters- und Pflegeheim möglichst verhindert oder verzögert werden soll. Doch der Wunsch des langen Verbleibs zuhause ist nur möglich, wenn ältere Menschen genügend Unterstützung haben. Fehlt ein tragfähiges soziales Netz oder genügt die professionelle Unterstützung nicht, wird der Alltag schnell anspruchsvoll. Die Folgen können Isolation, Überforderung und verfrühte Heimeintritte sein.
Was ist unter mobiler Altersarbeit zu verstehen?
Unter dem Überbegriff mobile Altersarbeit haben sich in verschiedenen Gemeinden und Städten in den letzten Jahren neue Ansätze entwickelt, die sich gezielt mit diesen Herausforderungen auseinandersetzen. Mobile Altersarbeit bemüht sich ältere Menschen vor Ort zu erreichen, wo sie leben und sich aufhalten – in ihrem Quartier, Dorf oder Stadtteil. Die Fachpersonen sind mobil unterwegs, informieren über bestehende Unterstützungsangebote und vernetzen die älteren Menschen mit relevanten lokalen Angebotsstrukturen. Im Unterschied zu klassischen Beratungsstellen geht dieser Ansatz aktiv auf Menschen zu. Begegnungen entstehen im Vorbeigehen, ein kurzer Austausch auf der Strasse kann der Beginn einer vertrauensvollen Beziehung sein. Mit dem Ansatz der mobilen Altersarbeit möchte man einen niederschwelligen Zugang zu den lokalen Angeboten herstellen und gleichzeitig eine vertrauensvolle Kontaktperson aufbauen, welche sich den Fragen rund ums Älterwerden annimmt.
Mobile Altersarbeit als strategisches Instrument der Alterspolitik
Mobile Altersarbeit ist mehr als ein neues Angebot: Sie ist ein strategisches Werkzeug für die Weiterentwicklung der kommunalen Alterspolitik. Sie ermöglicht Gemeinden besser zu verstehen, welche Bedürfnisse ältere Menschen tatsächlich haben, Lücken im Versorgungssystem frühzeitig zu erkennen, Angebote gezielt weiterzuentwickeln,
Einsamkeit und Überforderung früh zu verhindern und unnötige Heimeintritte zu vermeiden.
Pionierarbeit mit Wirkung
Die mobile Altersarbeit befindet sich noch im Aufbau und lebt heute stark von Pioniergeist und Innovationskraft engagierter Fachpersonen. Doch die bisherigen Erfahrungen zeigen deutlich: Mobile Altersarbeit schliesst Versorgungslücken und erreicht Menschen, die sonst unsichtbar bleiben. Sie wirkt als Brücke zu bestehenden Angeboten und macht sichtbar, wo Gemeinden ihre Strukturen weiterentwickeln müssen.
Literatur: Pardini, Riccardo (2025). Mobile Altersarbeit in der Schweiz. Paul Schiller Stiftung, Zürich, pss_heft_mobile_altersarbeit_250918_ansicht_2.pdf
Riccardo Pradini, Alterssoziologe, Senior Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut Sozial-pädagogik und Sozialpolitik der Hochschule Luzern HSLU.
Seine Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen Alterspolitik und kommunale Altersarbeit.