Nationales Pflegemonitoring
Thema: Gesundheit, News
Die Umsetzung der Pflegeinitiative, die am 28. November 2021 von der Bevölkerung angenommen wurde, ist schwer umkämpft.
Erst gerade im vergangenen April hat sich eine Sondersession beider Räte dieses Themas angenommen – leider mit mageren Resultaten. Das Schweizerische Gesundheitsobservatorium (Obsan), ein Kompetenzzentrum von Bund und Kantonen, erarbeitet unabhängige Analysen zum Gesundheitssystem in der Schweiz. Es betreibt auch ein Monitoring zur Pflegeinitiative – teilweise mit brisanten Ergebnissen.
Das «Nationale Monitoring Pflegepersonal» stellt Daten zusammen, welche die Situation des Pflegepersonals in den verschiedenen Tätigkeitsbereichen in der Schweiz abbilden. Damit ist es ein wichtiges Instrument zur Evaluation der Massnahmen, die im Rahmen der Umsetzung der Pflegeinitiative (Art. 117b BV) ergriffen werden. Obsan hat 27 Indikatoren definiert, die sich aus den Zielen der Pflegeinitiative ableiten lassen. Das Monitoring ist öffentlich zugänglich (siehe Link unten). Es wird laufend vertieft und erweitert.
Von besonderer Brisanz im Hinblick auf die Volksinitiative der SVP zur 10-Millionen-Schweiz, die am 14. Juni zur Abstimmung kommt, sind die beiden Indikatoren, der sich mit der Herkunft der Pflegefachkräfte befassen. Um den Bedarf an Pflege- und Betreuungspersonal zu decken, ist die Schweiz nämlich auf Personal aus dem Ausland angewiesen. Das Nationale Monitoring beobachtet zwei Indikatoren, um die Bedeutung des ausländischen Personals darzustellen. Ein Indikator beschreibt die Wanderungsbewegungen des ausländischen Pflegefachpersonals. Daneben gibt es einen Indikator für den Anteil des im Ausland ausgebildeten Personals am gesamten Personalbestand. Die Ergebnisse sind für die verschiedenen Ausbildungsniveaus verfügbar, jedoch nur für Spitäler und Alters- und Pflegeheime.
Die neueste Aktualisierung von anfangs 2026 zeigt eine hohe Abhängigkeit von ausländischen Pflegekräften. In der gesamten Schweiz beträgt sie zwar «nur» 21,8 % (alle Ausbildungsstufen), dabei gibt es allerdings je nach Kanton enorme Unterschiede. Spitzenreiter ist der Kanton Genf mit 51,5 %! Im Kanton Tessin beträgt der Anteil 28,4 %. Bei den Diplomierten sind diese Anteile allerdings in allen Kantonen noch etwas höher und liegen auch gesamtschweizerisch bei 33,3 %.
Dass wir in der Schweiz zu wenig Pflege- und Betreuungspersonal ausbilden, ist schon lange bekannt. Eine «Ausbildungsoffensive» war daher auch der erste Teil der Umsetzung der Pflegeinitiative. Das alleine nützt allerdings wenig, da die Verweildauer unserer Pflegefach-kräfte oftmals nur wenige Jahre beträgt. Die Leute halten den Stress schlicht nicht aus und gehen in andere Berufe. Man vergleiche dazu den Indikator «Fluktuationsrate», der bei rund 25 % liegt, oder den Indikator «Austrittsrate», der rund 24 % beträgt! Falls sich also nichts an den Arbeitsbedingungen ändert, wird der Pflegenotstand laufend grösser. Denn auch die ausländischen Pflegefachkräfte finden in ihren Heimatländern immer mehr eine gute Stelle und bleiben dort.
Wer mehr zu einzelnen Indikatoren des Monitorings erfahren möchte: https://ind.obsan.admin.ch/pflemo
Markus Kunz, Mitglied VASOS, Redaktionsteam