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Opfer des Nationalsozialismus: Ein Memorial für die Zukunft

Ausgabe: 09-2021 Datum: 30.09.2021

Thema: News

Gastbeitrag von Remo Gysin, ehem. Mitglied der VASOS und des SSR

Jüdinnen und Juden, Sozialisten, Widerstandskämpferinnen, Roma und Sinti, Behinderte, Schweizer Frauen, die durch Heirat mit einem Ausländer ihr Bürgerrecht und hiermit auch den Schutz der Schweiz verloren haben, und viele andere erlebten den Schrecken der nationalsozialistischen Konzentrationslager. Ihnen aber auch den Menschen, welche sich den Nazis entgegenstellten oder Verfolgten Schutz und Hilfe anboten, soll endlich eine offizielle Schweizer Gedenkstätte gewidmet werden.

Gemeinsam haben die Auslandschweizer-Organisation, das Archiv für Zeitgeschichte der ETH Zürich, die Christlich-Jüdische Arbeitsgemeinschaft, der Schweizerische Israelitische Gemeindebund sowie Vertretende der Wissenschaft (Universität Basel) ein Konzept für ein offizielles Schweizer Memorial erarbeitet und dem Bundesrat Ende Mai überreicht.

Mit fortschreitender Zeit leben immer weniger Zeitzeuginnen und Zeitzeugen, die von den Gräueltaten und Verbrechen des Nationalsozialismus berichten können. Umso wichtiger und dringlicher ist es, die Erinnerung aufrechtzuerhalten.

Erinnern, vermitteln und vernetzen –  ein innovatives Konzept

Das Memorial soll ein lebendiger Ort der Reflektion und der Diskussion werden. In der Auseinandersetzung mit Themen wie Rassismus und Antisemitismus, Solidarität und Zivilcourage soll es einen Beitrag zur Bewusstseinsbildung leisten. Es steht unter den drei Leitthemen «erinnern – vermitteln – vernetzen». Ein Erinnerungsort im öffentlichen Raum in Form einer künstlerischen Intervention in Bern soll die Opfer des Nationalsozialismus und ihre Schicksale würdigen und ihnen einen Ort im gesellschaftlichen Gedächtnis sicherstellen. Ein Vermittlungsort soll im Rahmen von Dauer- und Wechselausstellungen die Bildungs- und Informationsfunktion garantieren. Dabei soll der Blick nicht starr auf die Vergangenheit gerichtet sein, sondern immer die Verbindung in die Gegenwart machen, beispielsweise zum Umgang mit Minderheiten, Menschenrechten oder Presse- und Meinungsfreiheit. Ein virtueller Vernetzungsort mit einer Opfer-Datenbank soll bereits bestehende Gedenkorte miteinander verbinden.

Breite Unterstützung

Nahezu 200 Persönlichkeiten aus allen Landesteilen und rund 30 Organisationen unterstützen das Anliegen. Auch die Politik ist der Meinung, dass die Schweiz einen solchen offiziellen Erinnerungsort braucht. Zwei gleichlautende im März eingereichte Motionen fordern vom Bundesrat einen Schweizer Gedenkort für die Opfer des Nationalsozialismus. Der Ständerat überwies den Vorstoss von Daniel Jositsch (SP, ZH) vor den Sommerferien ohne Gegenstimme. Der Vorstoss im Nationalrat von Alfred Heer (SVP, ZH) wurde von 103 Parlamentarierinnen und Parlamentariern aus dem ganzen Parteienspektrum unterzeichnet und ebenfalls überwiesen. Der Bundesrat war bereit, die Motionen entgegenzunehmen. Die Umsetzung des Rahmenkonzepts ist herausfordernd. Das Projekt braucht weiterhin eine breite Unterstützung.

Mehr Informationen unter :http://www.swissmemorial.ch

Remo Gysin, ehem. Mitglied der VASOS und des SSR

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