Partnerschaft zwischen Patienten und Pflegepersonal
Thema: Gesundheit, News
Beispiel der Ambulanz im Krankenhaus
Dies ist das Ideal und das Versprechen einer gemeinsamen Verantwortung. Allerdings sind Anstrengungen auf beiden Seiten erforderlich, um die Zusammenarbeit zu gewährleisten.
Für den Patienten geht es darum, sich der Auswirkungen der Diagnose und der Behandlung bewusst zu werden. Das Pflegepersonal steht an vorderster Front und spielt eine Schlüsselrolle. Sie sind dafür da, die Aufmerksamkeit des Patienten zu wecken, ihn zu motivieren, ihm zuzuhören und ihm die Behandlung zu erklären. Dabei nehmen sie sich Zeit und Mühe, dem Patienten gezielte Ratschläge zu geben, damit er seine Selbstständigkeit bewahren und mögliche Komplikationen vermeiden kann. In diesem Zusammenhang passen die Pflegekräfte die Botschaft an die Art der Erkrankung, das Alter des Patienten, seine Kultur, seine Sprache und seine Gemütsverfassung (Aufgeschlossenheit, Unsicherheit, Misstrauen, manchmal Ablehnung…) an. Dieser differenzierte Ansatz erfordert Zeit, Engagement und Ressourcen, die insbesondere seitens des Patienten oft unterschätzt werden. Auch der Patient trägt einen Teil der Verantwortung, insbesondere indem er seine Termine einhält, die Empfehlungen des Pflegepersonals bestmöglich befolgt und eine kooperative Haltung einnimmt, es geht um die Organisation des Terminkalenders, die Einhaltung von Verpflichtungen und die Wertschätzung gegenüber dem Pflegepersonal.
Eine angemessene medizinische Versorgung zu erhalten, ist nach wie vor ein Privileg unseres Gesundheitssystems, und um dieses zu bewahren, ist das Vertrauen zwischen Patienten und Pflegekräften von grundlegender Bedeutung.
Wie Professor C. Luthy (Abteilung für Innere Medizin und Rehabilitation der Universitätskliniken Genf) betont, sollten auch mündliche Äußerungen zwischen Pflegekräften und Bemerkungen in den Patientenakten berücksichtigt werden, die dem Ziel der Mobilisierung des Patienten zuwiderlaufen könnten. Der Arzt verwendet Begriffe wie „widerständiger Patient“, „wenig engagierter Patient“, der stigmatisiert, anstelle eines sachlicheren Vokabulars: „zögerlicher Patient“, „mit der Behandlung nicht einverstandener Patient“. Es sind also Anpassungen auf beiden Seiten erforderlich, wobei zu berücksichtigen ist, dass die Motivation des Pflegepersonals stark von der Haltung des Patienten abhängt, der seine Bedürfnisse zunehmend in einem befehlenden Ton äußert und dabei nicht zögert, sich verbal oder sogar körperlich aggressiv zu verhalten. Dieser hat Rechte, aber auch Pflichten. In Zeiten von Personalmangel und Überlastung des Pflegepersonals sollte der Patient seine Ansprüche zurückschrauben. Der Rückgriff auf ausschließlich digitale Maßnahmen könnte dann zu einer bevorzugten Option werden, die jedoch viele Patienten auf der Strecke lassen würde.
Elisabeth Leo-Dupont, Delegierte VASOS im Schweizerischen Seniorenrat, SSR