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Thema: News, Sozialpolitik
Nachruf Monika Stocker
Am 21. April ist Monika Stocker im Alter von 77 Jahren in Zürich verstorben. Sie war eine frühere Grüne National-, Verfassungs- und Stadträtin der Stadt Zürich. Ihr gesellschaftliches Engagement und ihr politisches Wirken können nicht genug hoch eingeschätzt werden.
Monika Stocker hat sich in ihrem ganzen Leben für ihre Mitmenschen, vor allem denjenigen, denen es nicht so gut geht, und für die Umwelt eingesetzt. Schon kurz nach der Gründung der Grünen Partei trat sie dieser bei. Sie sass von 1987 bis 1991 im Nationalrat, vertrat die progressiven Stimmen um die Jahrtausendwende im Verfassungsrat des Kantons Zürich, und von 1994 bis 2008 war sie Stadträtin (Exekutive) von Zürich und Sozialvorsteherin. Ihr, der studierten Sozialarbeiterin, war dieses Departement auf den Leib geschneidert. Ihr politisches Wirken kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Sie war leidenschaftlich, streitbar, hartnäckig und im Zweifelsfall immer für die Menschen.
So etwa war sie die treibende Kraft hinter der kontrollierten Heroinabgabe. Zwar wird es der gesamten linken Stadtregierung der Neunzigerjahre gutgeschrieben, dass sie die weltweit berüchtigte Drogenszene in Zürich so einigermassen in den Griff bekam, aber es war Monika, die schon 1994 öffentlich eine Heroinabgabe befürwortete – wohl verstanden, eine dannzumal noch illegale Idee. Sie ist für mich ein leuchtendes Beispiel, dass es manchmal fast schon Pflicht sein kann, das Gesetz bis an die Grenzen auszureizen, wenn es die Sache erfordert.
Sie machte sich auch daran, das Sozialwesen in der Stadt (und, wie sich zeigen sollte, in der Folge darüber hinaus) völlig umzukrempeln, von der Almosenhilfe an Bedürftige zu einer modernen Sozialbehörde («Arbeit statt Fürsorge»). Zürich war damals eine so genannte A-Stadt mit enormen sozialen Problemen. Monika Stocker erkannte, dass die Sozialpolitik auf neue Füsse gestellt werden musste, inklusive innovativer Methoden wie zum Beispiel unternehmerisches Denken. Dieser jahrelange Umbau verlief nicht ohne Nebengeräusche und weckte zunehmend Unwillen von links bis rechts. Schliesslich musste Monika persönlich das Handtuch werfen, die politischen Gegenkräfte waren zu stark. Als damaliger Stadtparteipräsident der Grünen bekam ich die Geschehnisse hautnah mit – inklusive Aussagen mancher Bürgerlicher, dass sie «weg müsse». Es war gezieltes und leider letztlich erfolgreiches politisches Mobbing. Das Vermächtnis von Monika konnte das allerdings kaum beeinträchtigen.
Als weitere Leistungen seien hier noch der Ausbau der ausserfamiliären Kinderbetreuung, die Einführung soziokultureller Angebote – Monika sagte immer, das sei der einzige Ort in ihrem Departement, wo sie kreativ sein könne – sowie die Erneuerung der Gassenarbeit zu erwähnen, staatliche Leistungen, die heute nicht mehr wegzudenken sind. Hilfreich war dabei allerdings gewiss, dass Zürich heute keine arme Stadt mehr ist, sondern ein Erfolgsmodell. Dass dabei auch viele Menschen ohne viel Geld auf der Strecke bleiben, ist Monika kaum entgangen. Seit ihrem Rücktritt aus dem Stadtrat hat sie sich allerdings nicht mehr in die Tagespolitik eingemischt.3
Sie machte noch ein Studium in angewandter Ethik und arbeitet privat weiter als Coach und Referentin. Sie schrieb viel und veröffentlichte einige Bücher. Und nun hat ihr überarbeitetes Herz aufgehört zu schlagen.
Markus Kunz, Mitglied VASOS, Redaktionsteam