Polizeiliche Hausbesuche für Seniorinnen und Senioren im Tessin
Thema: News
Der Dienst der bürgernahen Polizei für ältere Menschen stellt eine tragende Säule für Sicherheit und soziales Wohlbefinden im Kanton Tessin dar. Er wirkt nicht nur präventiv gegen Kriminalität, sondern versteht sich vor allem als menschliche und unterstützende Begleitung im Alltag.
Warum sind diese Besuche so wichtig?
• Prävention von Betrugsfällen: Die Polizeibeamtinnen und -beamten geben praktische Ratschläge, wie man sich vor wiederkehrenden Gefahren wie dem sogenannten «Enkeltrick» oder Telefonbetrug schützen kann – Delikte, die auch im Tessin zahlreiche Opfer fordern.
• Bekämpfung der sozialen Isolation: Initiativen wie der «Servizio Anziani Soli (SAS)» in Mendrisio oder entsprechende Angebote der Interkommunalen Polizei del Piano richten sich an alleinlebende Personen. Der regelmässige persönliche Kontakt verringert das Gefühl der Einsamkeit.
• Beobachtung des Wohlbefindens: Während der Hausbesuche können frühzeitig Anzeichen von gesundheitlichen oder kognitiven Schwierigkeiten erkannt werden. Bei Bedarf werden Sozialdienste oder weitere institutionelle Partner beigezogen.
• Stärkung des Sicherheitsgefühls: Die sichtbare und regelmässige Präsenz der Quartierpolizei fördert den Dialog und macht die Polizei zu einer vertrauten Ansprechperson in der Gemeinde.
• Information und Sensibilisierung: Seniorinnen und Senioren erhalten gezielte Informationen zu aktuellen Themen – insbesondere zur persönlichen Sicherheit im Alltag.
Für wen ist der Dienst gedacht?
Das Angebot richtet sich in erster Linie an Personen über 70 Jahre, die allein zu Hause leben. Ziel ist es, Nähe und Vertrauen zwischen Quartierpolizei und älteren Mitbürgerinnen und Mitbürgern aufzubauen.
Die Besuche sind freiwillig und verstehen sich nicht als Kontrolle, sondern als Gelegenheit zu einem angenehmen Gespräch.
Während der Besuche kümmert sich die Quartierpolizei insbesondere um:
• die Überprüfung der gesundheitlichen, sozialen und wohnlichen Situation;
• das Anhören von Anliegen oder Sorgen;
• die Weitergabe von Informationen zu aktuellen Risiken und Präventionsthemen.
Die Zusammenarbeit erfolgt in enger Abstimmung mit den Sozialdiensten sowie den Einwohnerkontrollen der Gemeinden.
Mit dieser Information möchten wir sowohl ältere Menschen als auch deren Angehörige über dieses wichtige Angebot informieren. Gleichzeitig soll verhindert werden, dass ein Besuch der Polizei Missverständnisse auslöst – beispielsweise die Befürchtung, es handle sich um eine falsche Polizistin oder einen falschen Polizisten.
Ein bewährtes Modell: Mendrisio
In Mendrisio bildet der „Servizio Anziani Soli (SAS)“ seit 35 Jahren einen zentralen Pfeiler der kommunalen Sozialpolitik. Das 1990 gestartete Projekt, das Mitarbeitende der Fachstelle für Altersfragen und die Gemeindepolizei zusammenbringt, hat sich im Laufe der Zeit als nachhaltig und wirksam erwiesen.
Im Jahr 2023 nutzten 43 Seniorinnen und Senioren den Dienst; insgesamt wurden 341 Hausbesuche durchgeführt (gemäss Rechnungsabschluss 2024). Die Erfahrung zeigt: Für viele ist der Besuch der Polizei ein wertvoller Moment des Austauschs und der persönlichen Zuwendung.
Das Modell Mendrisio gilt inzwischen auf kantonaler wie auch nationaler Ebene als Vorbild.
Aktives Altern – eine gemeinsame Verantwortung
Die Weltgesundheitsorganisation spricht von „aktivem Altern“ als einem Prozess zur Optimierung von Gesundheit, Teilhabe und Sicherheit, um die Lebensqualität älterer Menschen zu verbessern.
Einsamkeit ist keine rein private Angelegenheit, sondern eine gesellschaftliche Herausforderung. Die Erfahrungen der letzten Jahrzehnte zeigen: Der erste Schritt zur Unterstützung ist oft ein einfacher – da sein.
Daniel Burckhardt, Vizepräsident ATTE und Mitglied VASOS Vorstand