Hitzeschutz ist Bevölkerungsschutz
Thema: Gesundheit, News
Resolution der VASOS – Vereinigung aktiver Seniorinnen- und Seniorenorganisationen zuhanden der Delegiertenversammlung vom 29. September 2026
Schutz vor Hitze – jetzt handeln
Hitzewellen werden in der Schweiz häufiger, länger und intensiver. Sie gefährden die Gesundheit und können zum Tod führen. Besonders betroffen sind ältere Menschen, chronisch Kranke und Pflegebedürftige. Unsere Sorge gilt aber ebenso Kindern und Jugendlichen, Menschen mit Behinderungen sowie allen, die bei grosser Hitze im Freien oder in stark hitzeexponierten Räumen arbeiten müssen.
Als Senior:innenorganisation haben wir die besondere Gefährdung älterer Menschen im Blick. Zugleich tragen wir Verantwortung für die kommenden Generationen. Hitzeschutz ist Bevölkerungsschutz – und eine Aufgabe für alle Generationen.
Bund, Kantone, Städte und Gemeinden haben in den vergangenen Jahren wichtige Massnahmen ergriffen. Dennoch bestehen erhebliche Lücken. Der Schutz vor Hitze darf nicht davon abhängen, wo jemand wohnt, arbeitet, zur Schule geht oder betreut wird.
Die VASOS fordert:
- Wirksame Hitzeaktionspläne in allen Kantonen
Bund und Kantone sollen gemeinsam dafür sorgen, dass die Bevölkerung überall in der Schweiz wirksam vor den gesundheitlichen Folgen von Hitze geschützt wird. Die Hitzeaktionspläne sollen sich an den Empfehlungen der WHO und den nationalen fachlichen Grundlagen orientieren und klare Zuständigkeiten, Warnsysteme und Massnahmen zum Schutz besonders gefährdeter Menschen vorsehen.
- Verbindlicher Hitzeschutz in Heimen, Spitälern und Schulen
Alters- und Pflegeheime, Spitäler, Einrichtungen des betreuten Wohnens, Schulen und weitere besonders hitzegefährdete Einrichtungen müssen gesundheitlich verträgliche Raumtemperaturen gewährleisten können.
Dazu braucht es wirksame Beschattung, Lüftungs- und Kühlmöglichkeiten, angepasste Tagesabläufe und – wo erforderlich – zusätzliche organisatorische Massnahmen während Hitzewellen. Ebenso wichtig ist der Schutz der Menschen, die in diesen Einrichtungen arbeiten.
- Gefährdete Menschen zu Hause erreichen
Der Hitzeschutz darf nicht an der Haustür enden. Besonders alleinlebende, gesundheitlich beeinträchtigte und sozial isolierte Menschen müssen während Hitzewellen zuverlässig erreicht werden.
Gemeinden sollen dafür gemeinsam mit Spitex, Hausärztinnen und Hausärzten, Apotheken, sozialen Diensten, Nachbarschaftsnetzen und Seniorenorganisationen geeignete Telefon-, Besuchs- und Unterstützungsangebote aufbauen.
- Gebäude ganzjährig gesund gestalten – Schutz vor Hitze und Kälte
Wohnungen, Heime, Spitäler, Schulen und andere öffentliche Gebäude müssen so gebaut und saniert werden, dass sie im Sommer vor Überhitzung und im Winter vor Kälte schützen.
Gute Dämmung, wirksamer Sonnenschutz, Nachtlüftung, Begrünung und weitere passive und bauliche Massnahmen haben Vorrang. Wo diese nicht ausreichen, muss eine effiziente und möglichst klimaverträgliche Kühlung möglich sein.
Bund und Kantone sollen die notwendigen Investitionen gezielt unterstützen und bestehende Förderprogramme entsprechend weiterentwickeln.
- Hitzeschutz auch am Arbeitsplatz
Menschen, die im Freien oder in stark hitzeexponierten Räumen arbeiten, brauchen wirksamen Gesundheitsschutz. Arbeitszeiten und Arbeitsabläufe müssen bei extremer Hitze angepasst, ausreichende Pausen, Schatten und Trinkmöglichkeiten gewährleistet und gesundheitlich gefährliche Belastungen vermieden werden.
- Städte und Gemeinden hitzetauglich machen
Mehr Bäume und Grünflächen, weniger versiegelte Flächen, beschattete Wege und Plätze, Trinkwasserstellen sowie gut erreichbare kühle Aufenthaltsorte vermindern die gesundheitliche Belastung durch Hitze. Davon profitieren alle Generationen.
- Wirkung messen und transparent machen
Bund und Kantone sollen die gesundheitlichen Auswirkungen von Hitze sowie die Umsetzung und Wirksamkeit der Schutzmassnahmen systematisch beobachten.
Das Monitoring soll insbesondere hitzebedingte Erkrankungen und Todesfälle sowie die Situation besonders gefährdeter Bevölkerungsgruppen erfassen. Die Ergebnisse sollen regelmässig veröffentlicht werden. Wo Schutzmassnahmen fehlen oder nicht ausreichend wirken, muss rechtzeitig nachgebessert werden.
Jetzt die Weichen stellen
Die VASOS begrüsst, dass der Bundesrat nach dem aussergewöhnlich heissen und trockenen Sommer 2026 weitere Massnahmen prüft und zusätzliche Grundlagen zum Schutz der Gesundheit der Bevölkerung schaffen will.
Die VASOS erwartet, dass daraus wirksame Massnahmen zum Schutz der besonders gefährdeten Menschen entstehen und diese rechtzeitig vor den kommenden Sommern umgesetzt werden.
Information und Verhaltenstipps allein reichen nicht. Es braucht verlässliche Strukturen, klare Verantwortlichkeiten und Investitionen in Gebäude und Lebensräume, die auch unter veränderten klimatischen Bedingungen ein gesundes Leben ermöglichen.
Hitze kennt kein Alter. Was wir heute tun, schützt uns alle – und die Generationen von morgen.
Für Rückfragen:
Bea Heim, Präsidentin, aNationalrätin
079 790 52 03
Inge Schädler, Vizepräsidentin
079 614 94 92