Sind wir bald nur noch Beifahrerinnen und Beifahrer?
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Selbstfahrende Fahrzeuge sind in der Schweiz keine Zukunftsmusik mehr. Sie fahren z.B. bereits im Furttal, in Arbon und am Flughafen Zürich. Doch…
Werden ältere Menschen und Personen mit eingeschränkter Mobilität davon profitieren?
Genau hier setzt das Projekt «Inklusive automatisierte Mobilität» an. Erste Erkenntnisse zeigen: Das Potenzial wird als hoch eingeschätzt – das Wissen darüber muss aber noch aufgeholt werden.
Automatisierte Fahrzeuge sind Fahrzeuge, die bestimmte Fahraufgaben wie etwa Lenken, Bremsen oder Beschleunigen ganz oder teilweise selbstständig übernehmen, ohne dass ein Mensch eingreifen muss. Was nach Science-Fiction klingt, ist in der Schweiz schon heute Realität:
- Das Projekt «iamo» im Furttal (ZH/AG), u.a. mit der SBB, testet drei per App buchbare Personenwagen im realen Strassenverkehr (Start für die Bevölkerung 2026).
- Das Projekt «AmiGo» von PostAuto plant nach Testfahrten im Jahr 2026 den regulären Betrieb ab Anfang 2027 mit bis zu 25 Fahrzeugen aufzunehmen.
- Der autonome Linienbus «Artour» der TGA verkehrt seit 2025 öffentlich zugänglich in Arbon am Bodensee.
- Am Flughafen Zürich transportieren autonome Shuttles Passagiere.
Auch wenn noch einige technische und regulatorische Hürden abgebaut werden müssen, bis diese Fahrzeuge überall verfügbar und zugänglich sind, lädt die Entwicklung bereits heute zum Träumen ein: per Knopfdruck einkaufen gehen; Orte spontan besuchen, die mit dem öffentlichen Verkehr nur schwer erreichbar sind; soziale Kontakte einfacher aufrechterhalten – und das ganz ohne eigenes Auto und Führerausweis. Besonders für Personen mit eingeschränkter oder zunehmend eingeschränkter Mobilität birgt automatisierte Mobilität Potenzial.
Damit dieses Potenzial verwirklicht wird und automatisierte Fahrzeuge für vulnerable Gruppen zugänglich werden, haben das Institut für Mobilität der Universität St.Gallen und The Behavior Lab GmbH das Projekt «Inklusive automatisierte Mobilität» angestossen. Das Projekt wird von der Ebnet Stiftung gefördert. Gemeinsam möchten wir erreichen, dass von Beginn an automatisierte Fahrzeuge so entwickelt werden, dass sie für ältere Menschen und Personen mit Einschränkungen nutzbar sind. Bis Ende Jahr vernetzen wir die relevanten Akteure, führen Interviews mit Fachorganisationen sowie erste Gespräche und Testfahrten mit Seniorinnen und Senioren durch. Daraus leiten wir konkrete Empfehlungen ab, wie automatisierte Fahrzeuge für ältere Menschen nutzerfreundlich gestaltet werden können. Bei vielversprechenden ersten Erkenntnissen und ausreichender Finanzierung soll das Projekt über die nächsten Jahre aufrechterhalten werden.
Die ersten Erkenntnisse sind vielversprechend. Im August haben 42 Schweizer Akteure an einer Kurzbefragung teilgenommen, darunter Betroffenenvertretungen, Behörden, Mobilitätsunternehmen und die Forschung. So wird das Potenzial automatisierter Fahrzeuge für vulnerable Menschen von allen Gruppen als hoch eingestuft (s. Abbildung). Obwohl dies insbesondere für Fachorganisationen zutrifft, schätzen sie ihr Wissen über automatisierte Fahrzeuge als relativ gering ein. Die Lücke zwischen Potenzial und Wissen möchten wir in den nächsten Wochen und Monaten schliessen.
Über uns:
Das Institut für Mobilität an der Universität St. Gallen ist ein Forschungsinstitut, das sich auf die Zukunft der Mobilität spezialisiert hat.
Tamara Wisser ist Projektleiterin am Institut für Mobilität. Sie untersucht den gesellschaftlichen Nutzen, den geteilte autonome Mobilität in der Schweiz leisten kann, inklusive des Beitrags zu Inklusionszielen.
The Behavior Lab GmbH hat sich auf die Anwendung verhaltenswissenschaftlicher Erkenntnisse für gesellschaftlich wünschenswerte Verhaltensänderungen spezialisiert.
Gilles Chatelain ist Psychologe mit einem grossen Interesse an der Frage, wie Verhaltenswissenschaften zur Förderung von Nachhaltigkeit beitragen können.
Dr. Gilles Châtelain