So lange wie möglich zu Hause leben – ohne Vereinsamung
Thema: Wohnen im Alter & Mobilität
In der letzten Ausgabe haben wir die Figur der geteilten Familienhelferin vorgestellt. Sie ist Teil eines umfassenderen Konzepts einer integrierten und koordinierten, individuellen und gemeinschaftlichen Betreuung. Dieses Modell unterstützt Menschen, die nicht mehr vollständig selbstständig sind und zunehmend auf Hilfe Dritter angewiesen sind, dabei um so lange wie möglich zu Hause zu bleiben und einen Eintritt in ein Altersheim zu vermeiden oder zumindest hinauszuzögern.
Mit zunehmendem Alter sind Verluste unvermeidlich: der Verlust der Selbstständigkeit, des Lebenspartners, von Freunden und Angehörigen oder der Sicherheit, sich frei in der Gesellschaft zu bewegen. Wenn dies jedoch nicht einer bewussten und gewollten Entscheidung entspricht, darf es nicht bedeuten, sich in den eigenen vier Wänden zurückzuziehen und sich von der Gemeinschaft zu isolieren. Gerade für Menschen in dieser Situation – aber nicht nur für sie – wurde die Funktion der sozialen Quartier- bzw. Dorfbetreuung (CS) entwickelt.
Wer ist die soziale Quartier- bzw. Dorfbetreuerin?
Um diese verbindende Rolle zwischen der individuellen bzw. familiären Ebene und der Gemeinschaft zu erfüllen, hat sich ABAD entschieden, vorwiegend “Fachfrauen Betreuung” (FaBe) einzusetzen (ital. Operatrici Socio Assistenziali – OSA)
Welche Aufgaben hat sie? Tägliche Betreuung (geplant und ungeplant)
Am Morgen erbringt die CS klassische Spitex-Leistungen wie Körperpflege (Unterstützung bei Hygiene, Ankleiden, Ernährung usw.) oder Haushaltshilfe (Reinigung, Aufräumen usw.). Dadurch kommt sie in Kontakt mit Menschen in (vor-)fragilen Lebenslagen, die sonst schwer erreichbar wären. Gleichzeitig erhält sie wertvolle Informationen über Gesundheitszustand und familiäre Situation und gewinnt Vertrauen und Glaubwürdigkeit.
Aktivitäten zur Animation und zur sozialen Teilhabe
An zwei bis drei Halbtagen pro Woche organisiert die CS – oft in Zusammenarbeit mit Freiwilligen, Praktikant:innen, Lernenden oder Zivildienstleistenden – im Sinne von Caring Communities soziale Begegnungen. Diese finden in informellen Räumen im Quartier oder in der Gemeinde statt und stehen auch Personen offen, die keine Spitex-Leistungen beziehen.
Tägliche Erreichbarkeit, Koordination und Netzwerkaktivierung
Die CS fungiert zudem als Anlaufstelle – nicht nur für Nutzer:innen der Angebote, sondern auch für Angehörige, Fachpersonen aus dem Sozial- und Gesundheitsbereich sowie für Behörden. Sie koordiniert geplante und ungeplante Einsätze (ausgenommen medizinische Notfälle) und fördert den Aufbau eines tragfähigen lokalen Netzwerks.
Hauptziele
- Regelmässige Präsenz einer sozialbetreuenden Fachperson im Quartier oder in der Gemeinde
- Mehr Schutz, Sicherheit und Unterstützung für Betroffene und pflegende Angehörige
- Prävention von Einsamkeit und sozialer Isolation durch Nähe und gemeinschaftliche Aktivitäten
- Aktivierung, Information und Vernetzung der vorhandenen Ressourcen sowie Erleichterung des Zugangs zum formellen Unterstützungsnetz
- Angemessenheit und finanzielle Nachhaltigkei
Das Konzept der sozialen Quartier- bzw. Dorfbetreuung ist so einfach, dass es auf den ersten Blick beinahe banal erscheinen könnte. Nach zehn Jahren Erfahrung können wir jedoch festhalten, dass es ausserordentlich wirksam, effizient, kostengünstig und leicht auf unterschiedliche Kontexte – städtisch wie ländlich – übertragbar ist. Bestehende Räumlichkeiten können genutzt und mit anderen Organisationen geteilt werden.
Derzeit werden die Kosten für die sieben sozialen Quartier- bzw. Dorfbetreuerinnen vollständig von ABAD getragen. Von den Teilnehmenden wird nur ein bescheidener Beitrag für Konsumationen (Getränke, Zwischenmahlzeiten, Mittagessen, Grillanlässe usw.) erhoben. Für den Dienst verbleiben lediglich die Kosten der sozialen Aktivitäten, da die am Morgen geleisteten Einsätze im Rahmen der Spitex-Leistungen bereits über die Krankenversicherung finanziert sind.
Weitere Informationen zu dieser Funktion finden Sie unter www.abad.ch/nuovi-progetti/ oder wenden Sie sich direkt an mich: roberto.mora@abad.ch.
NEU: In Kürze wird zudem eine Studie von Prof. Dr. Cesarina Prandi verfügbar sein. Sie enthält unter anderem wertvolle Hinweise für Organisationen, die dieses Modell im Sinne solidarischer Territorien (TerSo) übernehmen möchten.
Roberto Mora. Direktor ABAD Bellinzona