Warum braucht es Hospize in der Schweiz? – Eine Versorgungslücke
Thema: Gesundheit, News
Die Geschichte der Hospizversorgung in der Schweiz geht auf die 90er Jahre zurück, als viele jungen Menschen an AIDS erkrankten.

Ich arbeitete damals als Gemeindeschwester und pflegte diese jungen, schwerkranken Männer zu Hause. Als die Pflege zu Hause an ihre Grenzen stiess, realisierte ich, dass für sie in der Gesellschaft kein Platz war. Weder im Spital noch in Pflegeheimen waren sie am richtigen Ort. Zu dieser Zeit öffnete in Zürich das Lighthouse seine Türen. In diesem Kompetenzzentrum für palliative Pflege und Medizin fanden unheilbar kranke Menschen für ihre letzte Wegstrecke mit professioneller Pflege und Betreuung ein Zuhause.
Seit damals war ich überzeugt, dass eine umfassende Palliative Care auf das Angebot der Hospize nicht verzichten kann. Es braucht einen Ort, für Patienten, die auf Grund ihrer komplexen Pflegesituation und dem fehlenden betreuenden Umfeld nicht zu Hause gepflegt werden können, aber auch im Spital oder Pflegeheim nicht am richtigen Ort sind.
Umso erfreulicher ist es, dass nun am 15. August 2026 das langjährig geplante Erwachsenen-Hospiz in Bern eröffnet wird. Das Hospiz Bern ist offen für alle Menschen, unabhängig von ihrer Religion oder ihrer sozialen und kulturellen Herkunft. (Verein Hospiz Bern).
Getrübt wird die Freude allerdings von der Tatsache, dass die rechtliche Situation und die Finanzierung dieses wichtigen Angebotes in der Gesundheitsversorgung noch immer nicht verbindlich geregelt ist. Die Finanzierung der Hospize richtet sich heute nach dem Modell der Pflegefinanzierung, was jedoch diesem speziellen Versorgungssetting nicht gerecht wird. Der Kanton und die Krankenversicherungen beteiligen sich an den Pflegekosten. Ungedeckt bleiben die Aufenthaltskosten, die pro Tag und Patient ca. 200 Franken betragen. Patienten und Patientinnen im Hospiz sind jedoch schwerkranke Menschen, die sich solche Zusatzkosten nicht leisten können. Auch Ergänzungsleistungen, die im Pflegeheim die Lücken schliessen, kommen bei dieser Patientengruppe nicht zum Tragen. Um allen Menschen den Zugang zum Hospiz, unabhängig ihrer wirtschaftlichen Situation zu ermöglichen, müssen die Hospize diese Finanzierungslücke mit Spenden decken.
Dass sinnvolle Lösungen möglich sind, zeigt der Kanton Wallis. Er regelt in seinem «Gesetz über die Krankenanstalten und Institutionen» Hospize als spitalexterne Strukturen mit Palliative Care-Auftrag. Der Staatsrat beschliesst jeweils den Kantonsanteil. Aktuell beträgt er rund 700 Franken pro Pflegetag und Bett. Diese Tagespauschale ermöglicht zusammen mit dem Anteil aus der obligatorischen Krankenpflegeversicherung und dem Patientenbeitrag, den Betrieb zu finanzieren. Eine solche Lösung gilt es schweizweit anzustreben, doch das nationale Parlament tut sich schwer damit. Zurzeit bearbeitet eine Subkommission der Kommission Soziales und Gesundheit (SGK) des Nationalrates die Umsetzung der Motion 24.454 von EVP-Nationalrat Marc Jost, die eine klare und verbindliche Regelungen für Hospize fordert. Es braucht jedoch nicht nur ein Umdenken im Parlament, sondern auch in der Gesellschaft, bis Hospize den gleichen Stellenwert in der Gesundheitsversorgung bekommen, wie heute die Geburtshäuser.
Elsbeth Wandeler, Expertin für Pflegefinanzierung und Palliative Care des SSR,
Präsidentin Verein Hospiz Bern / Vorstand Dachverband Hospize Schweiz (DVHS)