Wie über Einsamkeit berichtet wird
Thema: News
Klischees werden seltener
Seit der Corona-Pandemie berichten Zeitungen, Fernsehen und Radio regelmässig über Einsamkeit. Mit Medienarbeit will der Verein Connect! dazu beitragen, Halbwahrheiten zu korrigieren und unbedacht diskriminierende Aussagen zu verhindern.
In den letzten sechs Monaten erreichte der Verein Connect! über TV, Radio und Printmedien mehr als 5 Millionen Menschen. Am 7. März 2026 widmete «Gesundheit heute» mit Dr. Jeanne Fürst auf SRF 1 eine Sendung den «Wegen aus der Einsamkeit». Auf Radio SRF Musikwelle gab es Ende April eine Themenwoche zur Einsamkeit. Und der Beobachter setzte im Mai einen Heft-Schwerpunkt dazu (Abo notwendig).

Die Geschäftsstelle von Connect! kontaktiert regelmässig Journalistinnen und Journalisten, um sie zur Berichterstattung über Einsamkeit bei älteren Menschen zu motivieren. Dabei verwenden wir sorgfältig vorbereitete Texte und setzen bewusst auf Themen, die wir wichtig finden.
Oberflächliche Tipps statt vertiefter Analysen
Bei «Gesundheit heute», Radio Musikwelle und dem Beobachter kommen sowohl einsame Menschen als auch Expertinnen und Experten zu Wort. Einsamkeit wird als komplexe Frage dargestellt, auf die unsere Gesellschaft vertiefte Antworten finden muss. Das ist erfreulich. Und noch nicht selbstverständlich.
Denn Klischees und Vereinfachungen werden zwar seltener, kommen aber immer noch vor: «6 Tipps, die gegen Einsamkeit helfen», (20 Minuten), «Einsamkeit hat zwei Ursachen» (Zeitung Bild). Viele Beiträge beschränken sich auf wohlmeinende Tipps und beschreiben Einsamkeit als individuelles Problem.
Nicht nur die Jungen, nicht alle Alten
In den letzten Monaten beobachten wir, dass vor allem die Einsamkeit bei jungen Menschen in den Medien thematisiert wird. Das ist gut so: Die Statistiken zeigen, dass fast 10 Prozent der 15- bis 30-Jährigen sich ziemlich oder sehr häufig einsam fühlen (Obsan, 2022). Nicht gut ist, dass dabei die älteren Menschen vergessen gehen. Bei den über 80-Jährigen ist der Anteil einsamer Menschen ebenso hoch.
Hin und wieder zeichnen die Medien verallgemeinernde Bilder. Einsamkeit ist kein Altersproblem, und sie ist keine Epidemie, sondern ein Teil unseres Lebens. Es ist wichtig, dass Organisationen wie VASOS, Pro Senectute oder Gerontologie CH sich für eine diskriminierungsfreie Kommunikation einsetzen. Auch der Verein Connect! achtet darauf.
Im September wird Connect! auf einer speziell erarbeiteten Website ein Kommunikationspaket zur Einsamkeit bei älteren Menschen veröffentlichen. Das Paket enthält Leitfäden, Kommunikations-Grundlagen und Kurztexte. Gemeinden, Kantone und zivilgesellschaftliche Organisationen können all dies kostenlos nutzen. Connect! möchte dazu beitragen, das Bewusstsein für die Bedeutung der Einsamkeit und der sozialen Zusammengehörigkeit in der Bevölkerung zu stärken.
Thomas Pfluger, Programmleiter bei Connect!
Weitere Informationen: www.ch-connect.ch