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Mahnmal gegen das Vergessen

Datum: 08.06.2021

Thema: Generationendialog

Was der Nationalsozialismus angerichtet hat, darf nicht in Vergessenheit geraten. Eine breit abgestützte Allianz aus allen Parteien fordert den Bundesrat auf, dafür einen offiziellen Gedenkort zu schaffen.

Am 8. Juni kommt die Motion in den Ständerat und wird hoffentlich angenommen.

«Auch künftige Generationen müssen wissen, was damals geschah, und ein Bewusstsein dafür entwickeln, wie fragil Demokratie und Rechtsstaat sind und wozu Rassismus und Diskriminierung führen können» begründen die beiden Initianten Daniel Jositsch (Ständerat ZH) und Alfred Heer (Nationalrat ZH) ihr Anliegen. Wenngleich der Nationalsozialismus und die Katastrophe, die er in Europa angerichtet hat, in erster Linie ein Phänomen der deutschen Geschichte ist, war die Schweiz doch auch in mehrfacher Beziehung davon betroffen:

  • Unter den Millionen von Opfern des Naziterrors befanden sich rund tausend Schweizer­innen und Schweizer, von welchen fast die Hälfte den Holocaust nicht überlebt haben.
  • Viele der Verfolgten, die in der neutralen Schweiz hätten Zuflucht finden können, wurden von den Behörden abgewiesen und damit ihren Verfolgern ausgeliefert.
  • Nachrichten über den Genozid an Juden wurden schon in den Kriegsjahren bekannt. Doch es erho­ben sich nur wenige Stimmen gegen diesen Völkermord – und die wenigen, die es gab, wurden oft nicht gehört oder die Berichte als Gräuelmärchen abgetan.

Das Schweizer Mahnmal soll im Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus daran erinnern. Es ist nicht das erste Mal, dass dieses Anliegen ins Parlament getragen wird. Schon vor mehr als 25 Jah­ren hat der ehemalige SP-Nationalrat Andreas Gross vergeblich verlangt, dass der Bund offiziell mit einer Gedenkstätte an die Zurückweisung von jüdischen Flüchtlingen in den Jahren des Zwei­ten Weltkriegs erinnert. Für Aufsehen sorgte auch die Skulptur «Shoah», die der Solothurner Künst­ler Schang Hutter 1998 anlässlich der Feierlichkeiten zum 200. Jahrestag der Helvetischen Revolution vor das Parlamentsgebäude in Bern stellen liess.

Ein Schweizer Gedenkort soll uns bewusst machen, dass die Schweiz vor Antisemitismus nicht ge­feit war und es auch heute nicht ist. Vor allem in den sozialen Medien flackert dieser Un­geist im­mer wieder auf, was die Dringlichkeit der Aufklärung und der Auseinandersetzung mit diesem schwie­rigen Kapitel der Schweizer Geschichte zusätzlich unterstreicht. Dabei sollten wir uns auch an all die Schweizerinnen und Schweizer erinnern, die sich in jenen finsteren Zeiten für Flüchtlinge eingesetzt und ihnen Hilfe geboten haben. Das Beispiel der „Flüchtlingsmut­ter“ Gertrud Kurz und vieler anderer bekannten und unbekannten Flucht­hel­fenden, speziell in den Grenzregionen der Schweiz, soll uns Heutige zur Solidarität und Zivilcourage zugunsten von Ver­folg­ten und Vertriebe­nen unserer Tage aufrufen. Daher unterstützt die VASOS die Bestrebungen zur Schaffung eines offiziellen Schweizer Gedenkorts für die Opfer des Nationalsozialismus.

Bea Heim,
Co-Präsidentin der VASOS, ehem. Nationalrätin

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