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Umsetzung der Pflegeinitiative – die Politik ist gefordert

Ausgabe: 12-2021 Datum: 23.12.2021

Thema: Gesundheit

Es muss ein grundsätzliches Umdenken betreffend Finanzierungssystemen im Gesundheitswesen stattfinden


Für die Investitionen in die Arbeitsbedingungen braucht es eine bessere Finanzierung der Pflegeleistungen, und zwar in allen Bereichen.

Die deutliche Annahme der Pflegeinitiative ist ein klares Votum für die Wertschätzung des Pflegeberufes und ist sehr erfreulich. Erstaunt hat dieses Resultat jedoch nicht, denn in meinen 45 Jahren Berufserfahrung als Pflegefachfrau habe ich von meinen Patienten, ihren Angehörigen und der Zivilgesellschaft immer grosse Wertschätzung erfahren. Das Problem liegt in der Tatsache, dass sich diese Wertschätzung nicht auf den Preis für meine Arbeit niederschlägt.

Und diese Verantwortung liegt bei der Politik, welche die Rahmenbedingungen für die Finanzierung von Pflegeleistungen festlegt. Als ehemalige Geschäftsführerin des Berufsverbandes der Pflegefachpersonen habe ich bereits bei der Einführung der neuen Spitalfinanzierung mit DRG auf die Gefahr hingewiesen, dass eine medizinische Diagnose den Pflegebedarf ungenügend abdecken wird und daher zu wenig Geld für die Pflege vorhanden sein wird. Der gleiche Effekt ist leider auch bei der neuen Finanzierung der Spitexleistungen und der Pflege in den Langzeitinstitutionen festzustellen. Dies hat zur Folge, dass die Arbeitgeber nicht das Personal einstellen können, das nötig wäre und so kam es in den letzten 20 Jahren zu dieser problematischen Situation im Pflegebereich.

Bessere Arbeitsbedingungen zu fordern, ohne dafür zu sorgen, dass alle Leistung, die zu einer umfassenden Pflege gehören, auch richtig abgegolten werden, laufen leider ins Leere, denn eine gute Pflege umfasst mehr als Leistungen der obligatorischen Krankenpflegeversicherung. Kranke, betagte, oder behinderte Menschen müssen nicht nur behandelt und therapiert werden, sondern brauchen Zuwendung und Betreuung. Für die Finanzierung dieser Leistungen fühlt sich leider niemand zuständig, weder Bund, Kantone noch Krankenversicherung. Hier liegt der eigentliche Grund für die Unzufriedenheit des Pflegepersonals, das seinen Beruf nicht nach den Bedürfnissen der Pflegebedürftigen, sondern gemäss den vorhandenen finanziellen Mitteln ausführen muss. Wenn die Pflegeinitiative dazu führt, dass die heutigen Finanzierungssysteme den wirklichen Aufgaben der Pflege gerecht werden, dann bringt sie den Beruf einen grossen Schritt weiter.

Elsbeth Wandeler, Präsidentin Arbeitsgruppe Gesundheit, VASOS FARES

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